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13.04.2012

Frau S. Doreen fragt:

Sehr geehrter Herr Prof. Aberer,,

ich bin jetzt in der 35. Woche schwanger, nächste Woche habe ich einen Termin im Krankenhaus zum Thema "Geburtsplanung".

Ich möchte aufgrund meiner Erkrankung (Attacken mind. 1 x wö. mit Oberbauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, teilweise Schwellungen an Händen oder Füßen) einen Kaiserschnitt, ist das ok!? Oder vielleicht sogar angebrachter als eine eventuell anstrengende Geburt?

Ich würde mich sehr über eine schnelle Antwort freuen, weil die Ärzte in der Klinik, wo ich gerne entbinden möchte, nicht wirklich viel Ahnung davon haben und auch nicht wirklich sich damit auseinandersetzen sodass ich beruhigter bin.

Vielen Dank!

Sehr geehrte Frau S.!
Herzlichen Dank für Ihre Anfrage und allerbeste Wünsche für die bevorstehende Geburt-(-splanung). Was nun die zu empfehlende Vorgangsweise betrifft:

Es gibt glücklicherweise ein heuer im Februar publiziertes Konsensuspapier zu genau dieser Fragestellung, in einem höchstklassigen Journal von den Topexperten zusammengeschrieben (J Allergy Clin Immunol 129, 208, 2012).

Hier in aller Kürze die Zusammenfassung:
Es wird festgehalten, dass Komplikationen während einer Geburt auf natürlichem Weg selten sind! Das vorab, und das ist eine sehr wichtige Information. Prophylaxemaßnahmen vor und während der Wehen sowie während der Entbindung sind nicht immer klinisch indiziert (so heißt es wörtlich, ich möchte es verstärken: sind nicht automatisch zu geben, da häufig gar nicht erforderlich), aber eine therapeutische Dosis von C1-Esterase-Inhibitor (20 U/kg KG) sollte für eventuell auftretende Notwendigkeiten bereitstehen. Gleichzeitig wird aber auch darauf hingewiesen, dass jeder einzelne Patient (Schwangere bzw. Entbindende) individuell behandelt werden sollte, entsprechend den ganz persönlichen Bedürfnissen und Problemen.

Ich kann von uns berichten, dass diejenigen Personen mit HAE, die in unserem Wirkungsbereich entbunden hatten, dies meistens nicht als besonders belastend und weitgehend unproblematisch empfunden haben.

Ich möchte Ihnen somit Mut zusprechen und hoffen, dass dies auch auf Sie und Ihre Entbindung zutreffen wird.

Nichtsdestoweniger, eine Portion Vorsicht ist ganz wichtig.

Mit bestem Gruß
Ihr
Univ.Prof.Dr. Werner Aberer
   
17.05.2009

Sehr geehrter Herr Prof. Aberer,
ich bin jetzt 74 Jahre alt und habe in meinem ganzen Leben nie Schwellungen gehabt. Vorige Woche entwickelte sich eine ganz monströse Schwellung im Mund-Lippenbereich, die zu einer Aufnahme an der HNO-Abteilung führte, wo ich sogar intubiert werden musste. Meine Tochter ist über eine Internetsuche auf Ihre Homepage gestoßen. Kann es sich bei der Ursache, welche an der HNO-Abteilung unklar blieb, um ein hereditäres Angioödem handeln?

Nach Recherchen und Rückfragen mit der Patientin ließ sich folgende Beantwortung erstellen:

Sehr geehrter Patient!

Sie leiden seit zwei Jahren an einer Bluterkrankung, die derzeit glücklicherweise nicht behandlungsbedürftig ist. In Verbindung mit manchen Bluterkrankungen kann sich ein C1 Esterase-Inhibitor-Mangel einstellen, wie wir es sonst nur bei der angeborenen Form des Hereditären Angioödems kennen. Wir sprechen dann von einem erworbenen Angioödem aufgrund von C1-Inhibitormangel. Die Symptome können die gleichen sein. Auch die Behandlung erfolgt auf die gleiche Weise mit Berinert-Infusionen. Meistens bessern sich die Symptome parallel mit einer Besserung des Grundzustandes, d.h.: Wenn die Bluterkrankung behandlungsbedürftig ist und behandelt werden kann, lassen sich auch die Schwellungen wieder zurückdrängen. Wenn nicht, ist die Notfallsbehandlung so zu applizieren wie beim Patienten mit einem HAE.
   
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